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Was genau ist eigentlich die „Mitte“?

Hände liegen auf dem Unterbauch. Die "Mitte" im Zentrum unserer Ernährung. TCM Ernährungsberatung, TCM Ernährungstherapie.

Im Zusammenhang mit der TCM taucht immer wieder der Begriff „Mitte“ auf. Im Folgenden möchte ich diesen „großen“, nicht ganz einfach zu fassenden Begriff genauer umschreiben.

In der TCM existieren im Körper sogenannte „Funktionskreise“, die mit Organnamen bezeichnet werden, aber diesen nicht gleichzusetzen sind. Es handelt sich vielmehr um komplexe Gefüge mit spezifischen Eigenschaften, die verschiedene physiologische Funktionen umfassen. Jedem der (allgemein geläufigen) fünf „Yin-Funktionskreise“ ist ein „Yang-Funktionskreis“ zugeordnet. Die berühmte „Mitte“ setzt sich aus den Funktionskreisen „Milz“ und „Magen“ zusammen, gemeinsam bilden sie eine funktionelle Einheit.

Grafik des Funktionskreisgefüges in der TCM mit der "Mitte" im Zentrum. TCM Ernährungsberatung, TCM Ernährungstherapie.
Die 5 Funktionskreise in der TCM („Mitte“ umfasst Fkk „Milz“ & „Magen“)
Ruby J

Welche Aufgaben erfüllt die „Mitte“?

Genau wie der Name und auch die mittige Stellung im Funktionskreisgefüge vermuten lassen, steht die „Mitte“ im Zentrum unserer (Ernährungs-)Physiologie und leistet tagtäglich Höchstarbeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die „Mittenschwäche“ eine sehr häufige Diagnose darstellt.

Die Hauptaufgabe der „Mitte“ ist es, „das Klare vom Trüben zu trennen“. Zum einen bezieht sich dies natürlich auf die Nahrungsaufnahme. Unsere „Mitte“ sortiert die aufgenommene Nahrung, sie sorgt dafür, dass „das Klare“ (das Brauchbare) in Energie (Qi), klare Säfte und Xue („stoffliche Energie“, annäherungsweise Blut) umgewandelt und im Körper verteilt wird und gleichzeitig dafür, dass „das Trübe“ (Unbrauchbare, Schädliche) ausgeschieden wird. Allerdings geht diese Aufgabe weit über die Nahrungsaufnahme hinaus, denn die Klärungsfunktion der „Mitte“ gilt für alle äußeren Einflüsse, denen wir ausgesetzt sind und auch für innere Prozesse wie beispielsweise Gedanken.

Die Polarität der „Mitte“

Wie bereits erwähnt, setzt sich die „Mitte“ aus den Funktionskreisen „Milz“ und „Magen“ zusammen, die in ihrer Polarität ein funktionelles Gespann bilden. Der Funktionskreis „Milz“ wärmt, trocknet und lässt aufsteigen, der Funktionskreis „Magen“ kühlt, befeuchtet und senkt ab.

Die "Mitte" setzt sich aus den Funktionskreisen "Milz" & "Magen" mit ihren jeweiligen Aufgaben zusammen. TCM Ernährungsberatung, TCM Ernährungstherapie.
Die Polarität der „Mitte“ mit den Funktionskreisen „Milz“ & „Magen“.
Ruby J

Betrachtet man die Aufgaben der „Mitte“ differenzierter, so ist der Funktionskreis „Milz“ für das Hervorbringen von Energie (Qi), klaren Säften und Xue aus der Nahrung zuständig sowie für deren Verteilung, er versorgt somit alle anderen Funktionskreise. Darüber hinaus sorgt der Funktionskreis „Milz“ für das Zusammenhalten von Xue und für die Gewebefestigkeit. Voraussetzung für ein gutes Funktionieren des Funktionskreises „Milz“ sind Wärme und ausreichend Energie (Qi). Aus diesem Grund kommt unserer Ernährung eine so immense Bedeutung zu, denn die Beschaffenheit und Wirkung unserer Nahrungsmittel entscheidet darüber, wie gut unsere „Mitte“ ihre Aufgaben erfüllen kann und wie gut unsere körperliche Verfassung ist (in der TCM: erworbene Konstitution).

Der Funktionskreis „Magen“ dient als Zwischenspeicher für die zersetzte Nahrung und des aus der Nahrung aufgenommenen Energiepotentials (Qi). Darüber hinaus sorgt er für die Weiterleitung des „Trüben“ an den Darm.

Wodurch wird unsere „Mitte“ geschwächt?

Aufgrund ihrer zentralen Rolle für die Nahrungsaufnahme wird die “Mitte“ in erster Linie durch eine ungeeignete Ernährung geschwächt. Zum einen gilt dies für bestimmte Nahrungsmittel, zum anderen aber auch für unsere Ernährungsgewohnheiten. Der Funktionskreis „Milz“, der Wärme und Trockenheit liebt, wird durch zu „kalte“ und zu stark „befeuchtende“ Lebensmittel wie Rohkost, Milchprodukte, „kalte Küche“, sehr fett- und sehr zuckerhaltige Nahrungsmittel belastet. Der Funktionskreis „Magen“, der Kälte und Feuchtigkeit bevorzugt, kommt durch „heiße“ Lebensmittel oder Zubereitungsformen wie Gegrilltem, scharf Angebratenem, stark Verarbeitetem, zu scharfen Gewürze und Alkohol zu Schaden.

Davon abgesehen stellen zu große Nahrungsmengen, bestimmte Medikamente (z. B. Antibiotika), Über- ebenso wie Unterforderung, emotionaler Stress und auch starkes Grübeln eine Belastung für die „Mitte“ dar.

Gähnende Frau: Müdigkeit ist eines der Symptome für eine "Mittenschwäche". TCM Ernährungsberatung, TCM Ernährungstherapie.
Piyapong Saydaung (Pixabay)

Wie erkenne ich eine „Mittenschwäche“?

Leichtere Formen einer „Mittenschwäche“ zeigen sich durch eine unzureichende Energieversorgung, d. h. durch Müdigkeit und Erschöpfung und durch eine mangelhafte Umsetzung der Nahrung mit Verdauungsstörungen wie Völle- oder Spannungsgefühlen und weichem Stuhlgang bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen, aber auch Gewichtszunahme. Besteht gleichzeitig eine „Yang-Schwäche“, äußert sich dies in einem allgemeinen Kältegefühl und dem Wunsch nach warmen Getränken. Später kommen Symptome einer unzureichenden Klärung von „Feuchtigkeit“ hinzu, die sich in Form von Gedunsenheit, Ödemen, Schweregefühl, Übelkeit und Benommenheit zeigen. Blaue Flecken, Blutungsneigung, Gewebeschwäche und Gewebevorfälle (Prolaps, Hämorrhoiden) weisen auf eine fortgeschrittene „Mittenschwäche“ hin. Langfristig kann dann die Versorgung der anderen Funktionskreise durch die „Mitte“ nicht mehr sichergestellt werden, was sich durch entsprechende spezifische Beschwerden wie beispielsweise Infektanfälligkeit (Funktionskreis „Lunge“) äußert.

Liegt eine Störung des Funktionskreises „Magen“ vor, treten einerseits Symptome des mangelnden Transports wie Spannungsgefühle, Bauchschmerzen und Verstopfung oder auch Aufstoßen und Erbrechen auf. Andererseits ist der Funktionskreis „Magen“ anfällig für Schädigungen durch „Hitze“, die sich in einem allgemeinen Hitzegefühl, heftigen, brennenden Magenschmerzen, Durst mit dem Wunsch nach kalten Getränken, Heißhunger und Verstopfung zeigen. Auch Schwellungen und Schmerzen des Zahnfleisches sowie Mundgeschwüre können auftreten.

Was kann ich selbst tun, um meine „Mitte“ zu unterstützen?

Der erste und wichtigste Schritt ist an dieser Stelle schon geschafft, denn erst einmal muss ich überhaupt wissen, in welcher Wechselwirkung Körper und Ernährung zueinanderstehen, mir muss klar werden, dass ich über die Ernährung meine „Mitte“ positiv und negativ beeinflussen kann.

Zu den Eigenschaften des Funktionskreises „Milz“ passen neutrale bis „warme“ Nahrungsmittel mit neutralem oder „süßem“ Geschmack (süß bedeutet in der TCM nicht zuckerhaltig, sondern beschreibt den grundsätzlichen Geschmack eines Nahrungsmittels). Dies erfüllen vor allem warme, gekochte und leichte Speisen. Belastend hingegen wirken kalte und stark „befeuchtende“ Lebensmittel wie Rohkost, kalte Mahlzeiten, Milchprodukte, fettige und übermäßig süße (hier: zuckerhaltige) Nahrungsmittel.

Dem Funktionskreis „Magen“ hingegen entsprechen neutrale bis „kühle“ Lebensmittel mit neutralem oder leicht sauren Geschmack, die Säfte spenden und halten. Dies erfüllen Obst und frisches Gemüse ebenso wie Rohkost, Salat und Milchprodukte, wobei letztere nur bei einem kräftigen „Milz“-Funktionskreis beschwerdefrei vertragen werden und bei einer „Mittenschwäche“ eher vermieden werden sollten. Auch Extreme wie „kalte“ oder „heiße“ Nahrungsmittel wie sie sogar in Kombination bei Salat mit Steak auftauchen, sollten zugunsten einer gesunden „Mitte“ nicht im Ernährungsplan auftauchen, ebenso wie sehr scharfe und sehr salzige Speisen.

Einordnung von Nahrungsmitteln in der TCM nach Temperaturverhalten und Geschmack auf einer Skala dargestellt. Geeignet für die "Mitte" sind kühle, neutrale und warme sowie saure, neutrale und süße Lebensmittel. TCM Ernährungsberatung, TCM Ernährungstherapie.
Geeignete Nahrungsmittel für die „Mitte“ entsprechend Temperaturverhalten und Geschmack.
modifiziert nach: Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. Elsevier (2006). S. 423

Fazit

Unsere Ernährung hat einen immensen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit unserer „Mitte“. Viele Beschwerden lassen sich auf eine für unsere Konstitution und die Anforderungen unserer „Mitte“ ungeeignete Ernährungsweise zurückführen. Glücklicherweise haben wir andersherum über unsere Ernährung großartige Möglichkeiten auf unsere Gesundheit und unser Wohlergehen einzuwirken. Wir können Dysbalancen wieder ins Gleichgewicht bringen, Erkrankungen vermeiden und behandeln.

Eine individuelle TCM-Ernährungsberatung bietet die Gelegenheit, die persönliche Konstitution zu erfassen und eine dazu passende Ernährung aufzustellen. Auch kann sie bei der Behandlung von Erkrankungen unterstützend hinzugezogen werden.