Die Hirse gehört in der chinesischen Ernährungslehre zur Kategorie „Getreide“. Getreide stellt in China das Hauptnahrungsmittel dar und sorgt für die Sättigung. Gemüse und Fleisch/ Fisch dienen der Geschmacksverbesserung. Getreide zeichnet sich durch ein „neutrales“ Temperaturverhalten und einen „süßen“ Geschmack aus (was in der chinesischen Ernährungslehre keineswegs unserem „süß“ im Sinne von zuckerhaltig entspricht). Zudem hat es einen starken Bezug zu den „Mitten“-Funktionskreisen „Milz“ und „Magen“. Mit diesen Eigenschaften eignet sich Getreide hervorragend zur Stützung der „Mitte“, zusätzlich befeuchtet es den Funktionskreis „Magen“. Getreidebreie stellen in der chinesischen Ernährungslehre sowohl die ideale Grundlage für eine kräftigende, ausgewogene Mahlzeit dar, als auch für die diätetische Behandlung bei körperlicher und geistiger Erschöpfung, bei Verdauungsbeschwerden und zur Gewichtsregulation.
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Während „Hirse“ in China hauptsächlich die Kolbenhirse meint, ist bei uns die Rispenhirse erhältlich. Im Gegensatz zur Rispenhirse zeigt die Kolbenhirse ein „kühles“ Temperaturverhalten und wirkt zusätzlich zur „Mitte“ stärker auf den Funktionskreis „Niere“ ein. Dementsprechend harmonisiert und stützt die Kolbenhirse nicht nur die „Mitte“, sondern auch den Funktionskreis „Niere“ und beseitigt pathologische „Hitze“ mit Symptomen wie Unruhe und Durst. Für die bei uns erhältliche Rispenhirse mit ihrem „warmen“ Temperaturverhalten bedeutet das, dass ein übermäßiger Verzehr zu „Hitze“ führen kann, was Beachtung finden sollte.
Westlich betrachtet gehört die Hirse unter den Getreidesorten zu den besten Lieferanten für Eisen, Magnesium, Vitamin B1 und B6. (1)
Wie kann ich Hirse in meinen Ernährungsplan einbauen?
Hirse eignet sich in Breiform sehr gut für süße Mahlzeiten, z. B. zum Frühstück. Gekocht stellt sie eine gute Grundlage für herzhafte Mahlzeiten dar, die nach Belieben mit Gemüse und etwas Fleisch oder Fisch verfeinert werden können.
Quellen: Engelhardt, U. & Hempen, C.-H.: Chinesische Diätetik, 3. Aufl., München: Elsevier, 2006. Engelhardt, U. & Nögel, R.: Rezepte der chinesischen Diätetik, 1. Aufl., München: Elsevier, 2009. (1): Vollmer, G. et al.: Lebensmittelführer Obst und Gemüse, Stuttgart und München: Thieme und dtv, 1990.
Die TCM-Ernährungslehre kann präventiv und kurativ zum Einsatz kommen. Menschen, die sich Gesundheit und Wohlbefinden wünschen und ihren Körper bestmöglich auf die Anforderungen des täglichen Lebens oder auch besondere Herausforderungen vorbereiten wollen, profitieren genauso von einer individuellen, maßgeschneiderten Ernährung wie Menschen, die sich in einer Lebensphase mit besonderen Bedürfnissen (z. B. zunehmendes Lebensalter, Wechseljahre) befinden oder Menschen, die ihren Körper wieder ins Gleichgewicht bringen wollen, bevor sich manifeste Erkrankungen entwickeln.
Auch wenn bereits Beschwerden oder Erkrankungen bestehen, bieten Ernährungsempfehlungen im Sinne der TCM eine wunderbare sanfte und nachhaltige Möglichkeit, um den Körper im Heilungsprozess zu unterstützen. Dies können Befindlichkeitsstörungen wie allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, eine reduzierte Leistungsfähigkeit und Energielosigkeit sowie eine ungewollte Gewichtszunahme sein.
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Darüber hinaus bietet sich eine TCM-Ernährungstherapie bei Beschwerden und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (s. u.) und Essstörungen an.
Völle-, Schweregefühl, Gedunsenheit
Bauchkrämpfe, -schmerzen
Übelkeit, Erbrechen
starke Blähungen
Verstopfung
Durchfälle
Aufstoßen
Sodbrennen
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten & Allergien
Zöliakie
Übergewicht, metabolisches Syndrom
Reizdarmsyndrom
Bei psychosomatischen Beschwerden kann eine TCM-Ernährungsberatung helfen, um aus dem Teufelskreis zwischen der Belastung durch die Beschwerden, die sich organisch nicht festhalten lassen, und der psychischen Beeinträchtigung herauszukommen. Bei chronischen Erkrankungen wie Krebserkrankungen oder Autoimmunerkrankungen lässt sich die ausgezehrte „Mitte“ sehr gut stützen und wieder aufbauen.
Warum kann die TCM-Ernährung so gut und umfangreich helfen?
Im Zentrum unseres Körpers steht die „Mitte“ als Hauptverantwortliche für unsere Klärung und Versorgung (s. auch Beitrag „Was genau ist eigentlich die „Mitte“?). Eine individuell angepasste Ernährung gibt uns daher die Möglichkeit, unmittelbar und dauerhaft (mehrere Mahlzeiten jeden Tag) auf die „Mitte“ einzuwirken. Eine starke „Mitte“ ist widerstandsfähig und verkraftet die alltäglichen oder manchmal besonders anstrengenden Herausforderungen besser, sie kann zudem alle anderen Funktionskreise ausreichend versorgen. Sehr viele Beschwerden und Erkrankungen haben mit der „Mitte“ zu tun, sodass in diesen Fällen über die Ernährung direkt am Entstehungsort eingegriffen und gegengesteuert werden kann.
Aber nicht nur die „Mitte“ kann über die passende Ernährung gestützt und reguliert werden, sondern auch jeder einzelne Funktionskreis mit seinen spezifischen Bedürfnissen und Störungen.
Das Schöne an der Ernährungstherapie ist, dass kleine Veränderungen oft schon sehr viel Positives bewirken.
Im Zusammenhang mit der TCM taucht immer wieder der Begriff „Mitte“ auf. Im Folgenden möchte ich diesen „großen“, nicht ganz einfach zu fassenden Begriff genauer umschreiben.
In der TCM existieren im Körper sogenannte „Funktionskreise“, die mit Organnamen bezeichnet werden, aber diesen nicht gleichzusetzen sind. Es handelt sich vielmehr um komplexe Gefüge mit spezifischen Eigenschaften, die verschiedene physiologische Funktionen umfassen. Jedem der (allgemein geläufigen) fünf „Yin-Funktionskreise“ ist ein „Yang-Funktionskreis“ zugeordnet. Die berühmte „Mitte“ setzt sich aus den Funktionskreisen „Milz“ und „Magen“ zusammen, gemeinsam bilden sie eine funktionelle Einheit.
Die 5 Funktionskreise in der TCM („Mitte“ umfasst Fkk „Milz“ & „Magen“) Ruby J
Welche Aufgaben erfüllt die „Mitte“?
Genau wie der Name und auch die mittige Stellung im Funktionskreisgefüge vermuten lassen, steht die „Mitte“ im Zentrum unserer (Ernährungs-)Physiologie und leistet tagtäglich Höchstarbeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die „Mittenschwäche“ eine sehr häufige Diagnose darstellt.
Die Hauptaufgabe der „Mitte“ ist es, „das Klare vom Trüben zu trennen“. Zum einen bezieht sich dies natürlich auf die Nahrungsaufnahme. Unsere „Mitte“ sortiert die aufgenommene Nahrung, sie sorgt dafür, dass „das Klare“ (das Brauchbare) in Energie (Qi), klare Säfte und Xue („stoffliche Energie“, annäherungsweise Blut) umgewandelt und im Körper verteilt wird und gleichzeitig dafür, dass „das Trübe“ (Unbrauchbare, Schädliche) ausgeschieden wird. Allerdings geht diese Aufgabe weit über die Nahrungsaufnahme hinaus, denn die Klärungsfunktion der „Mitte“ gilt für alle äußeren Einflüsse, denen wir ausgesetzt sind und auch für innere Prozesse wie beispielsweise Gedanken.
Die Polarität der „Mitte“
Wie bereits erwähnt, setzt sich die „Mitte“ aus den Funktionskreisen „Milz“ und „Magen“ zusammen, die in ihrer Polarität ein funktionelles Gespann bilden. Der Funktionskreis „Milz“ wärmt, trocknet und lässt aufsteigen, der Funktionskreis „Magen“ kühlt, befeuchtet und senkt ab.
Die Polarität der „Mitte“ mit den Funktionskreisen „Milz“ & „Magen“. Ruby J
Betrachtet man die Aufgaben der „Mitte“ differenzierter, so ist der Funktionskreis „Milz“ für das Hervorbringen von Energie (Qi), klaren Säften und Xue aus der Nahrung zuständig sowie für deren Verteilung, er versorgt somit alle anderen Funktionskreise. Darüber hinaus sorgt der Funktionskreis „Milz“ für das Zusammenhalten von Xue und für die Gewebefestigkeit. Voraussetzung für ein gutes Funktionieren des Funktionskreises „Milz“ sind Wärme und ausreichend Energie (Qi). Aus diesem Grund kommt unserer Ernährung eine so immense Bedeutung zu, denn die Beschaffenheit und Wirkung unserer Nahrungsmittel entscheidet darüber, wie gut unsere „Mitte“ ihre Aufgaben erfüllen kann und wie gut unsere körperliche Verfassung ist (in der TCM: erworbene Konstitution).
Der Funktionskreis „Magen“ dient als Zwischenspeicher für die zersetzte Nahrung und des aus der Nahrung aufgenommenen Energiepotentials (Qi). Darüber hinaus sorgt er für die Weiterleitung des „Trüben“ an den Darm.
Wodurch wird unsere „Mitte“ geschwächt?
Aufgrund ihrer zentralen Rolle für die Nahrungsaufnahme wird die “Mitte“ in erster Linie durch eine ungeeignete Ernährung geschwächt. Zum einen gilt dies für bestimmte Nahrungsmittel, zum anderen aber auch für unsere Ernährungsgewohnheiten. Der Funktionskreis „Milz“, der Wärme und Trockenheit liebt, wird durch zu „kalte“ und zu stark „befeuchtende“ Lebensmittel wie Rohkost, Milchprodukte, „kalte Küche“, sehr fett- und sehr zuckerhaltige Nahrungsmittel belastet. Der Funktionskreis „Magen“, der Kälte und Feuchtigkeit bevorzugt, kommt durch „heiße“ Lebensmittel oder Zubereitungsformen wie Gegrilltem, scharf Angebratenem, stark Verarbeitetem, zu scharfen Gewürze und Alkohol zu Schaden.
Davon abgesehen stellen zu große Nahrungsmengen, bestimmte Medikamente (z. B. Antibiotika), Über- ebenso wie Unterforderung, emotionaler Stress und auch starkes Grübeln eine Belastung für die „Mitte“ dar.
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Wie erkenne ich eine „Mittenschwäche“?
Leichtere Formen einer „Mittenschwäche“ zeigen sich durch eine unzureichende Energieversorgung, d. h. durch Müdigkeit und Erschöpfung und durch eine mangelhafte Umsetzung der Nahrung mit Verdauungsstörungen wie Völle- oder Spannungsgefühlen und weichem Stuhlgang bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen, aber auch Gewichtszunahme. Besteht gleichzeitig eine „Yang-Schwäche“, äußert sich dies in einem allgemeinen Kältegefühl und dem Wunsch nach warmen Getränken. Später kommen Symptome einer unzureichenden Klärung von „Feuchtigkeit“ hinzu, die sich in Form von Gedunsenheit, Ödemen, Schweregefühl, Übelkeit und Benommenheit zeigen. Blaue Flecken, Blutungsneigung, Gewebeschwäche und Gewebevorfälle (Prolaps, Hämorrhoiden) weisen auf eine fortgeschrittene „Mittenschwäche“ hin. Langfristig kann dann die Versorgung der anderen Funktionskreise durch die „Mitte“ nicht mehr sichergestellt werden, was sich durch entsprechende spezifische Beschwerden wie beispielsweise Infektanfälligkeit (Funktionskreis „Lunge“) äußert.
Liegt eine Störung des Funktionskreises „Magen“ vor, treten einerseits Symptome des mangelnden Transports wie Spannungsgefühle, Bauchschmerzen und Verstopfung oder auch Aufstoßen und Erbrechen auf. Andererseits ist der Funktionskreis „Magen“ anfällig für Schädigungen durch „Hitze“, die sich in einem allgemeinen Hitzegefühl, heftigen, brennenden Magenschmerzen, Durst mit dem Wunsch nach kalten Getränken, Heißhunger und Verstopfung zeigen. Auch Schwellungen und Schmerzen des Zahnfleisches sowie Mundgeschwüre können auftreten.
Was kann ich selbst tun, um meine „Mitte“ zu unterstützen?
Der erste und wichtigste Schritt ist an dieser Stelle schon geschafft, denn erst einmal muss ich überhaupt wissen, in welcher Wechselwirkung Körper und Ernährung zueinanderstehen, mir muss klar werden, dass ich über die Ernährung meine „Mitte“ positiv und negativ beeinflussen kann.
Zu den Eigenschaften des Funktionskreises „Milz“ passen neutrale bis „warme“ Nahrungsmittel mit neutralem oder „süßem“ Geschmack (süß bedeutet in der TCM nicht zuckerhaltig, sondern beschreibt den grundsätzlichen Geschmack eines Nahrungsmittels). Dies erfüllen vor allem warme, gekochte und leichte Speisen. Belastend hingegen wirken kalte und stark „befeuchtende“ Lebensmittel wie Rohkost, kalte Mahlzeiten, Milchprodukte, fettige und übermäßig süße (hier: zuckerhaltige) Nahrungsmittel.
Dem Funktionskreis „Magen“ hingegen entsprechen neutrale bis „kühle“ Lebensmittel mit neutralem oder leicht sauren Geschmack, die Säfte spenden und halten. Dies erfüllen Obst und frisches Gemüse ebenso wie Rohkost, Salat und Milchprodukte, wobei letztere nur bei einem kräftigen „Milz“-Funktionskreis beschwerdefrei vertragen werden und bei einer „Mittenschwäche“ eher vermieden werden sollten. Auch Extreme wie „kalte“ oder „heiße“ Nahrungsmittel wie sie sogar in Kombination bei Salat mit Steak auftauchen, sollten zugunsten einer gesunden „Mitte“ nicht im Ernährungsplan auftauchen, ebenso wie sehr scharfe und sehr salzige Speisen.
Geeignete Nahrungsmittel für die „Mitte“ entsprechend Temperaturverhalten und Geschmack. modifiziert nach: Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. Elsevier (2006). S. 423
Fazit
Unsere Ernährung hat einen immensen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit unserer „Mitte“. Viele Beschwerden lassen sich auf eine für unsere Konstitution und die Anforderungen unserer „Mitte“ ungeeignete Ernährungsweise zurückführen. Glücklicherweise haben wir andersherum über unsere Ernährung großartige Möglichkeiten auf unsere Gesundheit und unser Wohlergehen einzuwirken. Wir können Dysbalancen wieder ins Gleichgewicht bringen, Erkrankungen vermeiden und behandeln.
Eine individuelle TCM-Ernährungsberatung bietet die Gelegenheit, die persönliche Konstitution zu erfassen und eine dazu passende Ernährung aufzustellen. Auch kann sie bei der Behandlung von Erkrankungen unterstützend hinzugezogen werden.
Ein absoluter Schwerpunkt der TCM und der TCM-Ernährung ist die Individualität. Dies betrifft aber nicht nur die persönlichen Eigenschaften des Stoffwechsels und die Konstitution (genetische Anlagen und körperliche Verfassung), sondern auch äußere Einflüsse wie zum Beispiel die klimatischen Bedingungen der Jahreszeiten. Im Sommer schweben uns da Eis, kalte Getränke und Grillabende vor Augen. Warum diese nicht unbedingt zu einer sommergeeigneten Ernährung im Sinne der TCM gehören, erklärt dieser Beitrag.
Zunächst einmal geht der Sommer mit Wärme bis Hitze einher, was im Körper zu einem verstärkten Verbrauch an „Säften und Yin“ führt. Im Spätsommer dann kommt eine „Feuchtigkeits“-Belastung hinzu.
Für unsere Ernährung bedeutet das, dass wir im Sommer frische, kühle und leichte Speisen benötigen, aber keine zu kalten (Eis, eisgekühlte Getränke), denn diese Kälte führt zu Blockaden. Spannend ist es, einmal darauf zu achten, wie man sich nach dem Eisessen oder einem sehr kalten Getränk fühlt. Blähungen, Bauchschmerzen oder ein Kältegefühl im Bauch zeigen, dass diese Lebensmittel zu kalt für unsere „Mitte“ sind und sie belasten.
Sich bewusst zu machen, wie die Nahrungsmittel auf unseren Körper wirken und dies auch zu spüren, ist wichtig, denn in der TCM-Ernährung gibt es keine verbotenen Lebensmittel, nur deren spezifische Wirkung. „Sommergeeignete TCM-Ernährung“ bedeutet eben nicht, dass wir kein Eis essen dürfen, sondern dass Eis eine starke Kälte in unseren Körper bringt, die unsere „Mitte“ blockiert und zu bestimmten Beschwerden führt. Haben wir Lust auf Eis, nehmen wir die Beschwerden vielleicht in Kauf. Möchten wir die Beschwerden umgehen, verzichten wir auf das Eis oder essen nur eine kleine Portion.
Ähnliches gilt auch für Rohkost und Salate. Grundsätzlich fügen sie sich gut in die Ernährung im Sommer ein. Wenn aber nach dem Essen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen auftreten, ist die „Mitte“ nicht kräftig genug, um diese kühlen Lebensmittel zu verarbeiten. Salate können auch leicht warm genossen oder das Gemüse gedünstet oder sanft angebraten werden (Beispielrezept: Glasnudelsalat). Die Kombination aus Salat und gegrilltem oder stark gebratenem Fleisch hingegen bedeutet eine enorme Belastung für die „Mitte“, die von den beiden Temperaturextremen überfordert ist und sollte vermieden werden.
Das Wunderbare an der TCM-Ernährung ist, dass sie unglaublich gut anzupassen und mit unserem Wohlgefühl zu korrelieren ist. Genuss ist extrem wichtig beim Essen und dieser sollte unbedingt erhalten werden. Aber jede kleine Veränderung wirkt sich positiv aus und eine Ernährungsumstellung darf in kleinen Schritten erfolgen. Ist die „Mitte“ einmal gestärkt und wieder leistungsfähig, kann sie auch herausfordernde Nahrungsmittel besser verarbeiten und das gelegentliche Eis lässt sich ohne große Beschwerden genießen.
Geeignete Nahrungsmittel für den Sommer im Sinne der TCM
Die folgende Tabelle zeigt, welche Nahrungsmittel im Sommer besonders gut für unsere Ernährung geeignet sind.
Getreide
Sojasprossen Mungbohnensprossen Frischkornzubereitungen (s. u.)
Obwohl kühle Nahrungsmittel gut in den Ernährungsplan für den Sommer passen, hilft der warme Getreidebrei am Morgen, die „Mitte“ sanft aufzuwecken und für die Aufgaben des Tages vorzubereiten. Dem verstärkten „Säfte- und Yin“-Verbrauch kann man wunderbar mit frischem Obst entgegenwirken. Abgesehen von den Ernährungsempfehlungen gilt es im Sommer, körperliche Überanstrengung und starkes Schwitzen (Säfteverlust) zu vermeiden und tagsüber eine Ruhepause einzulegen.
Und was ist mit Grillen?
Die verschiedenen Zubereitungsformen unserer Lebensmittel können deren „thermischen“ Einfluss auf den Körper verändern. Grillen fügt den Nahrungsmitteln eine starke Hitze zu, zumal Fleischprodukte in der TCM ohnehin schon als „warm“ eingeordnet werden. In der Folge kann es zu „krankmachender Hitze“ kommen oder eine solche verstärkt werden. Ölige Marinaden belasten unsere „Mitte“ zusätzlich. Wie bereits gesagt, geht es in der TCM-Ernährung aber nicht darum, bestimmte Lebensmittel „schlecht zu machen“, sondern darum, ein Bewusstsein für die Wirkung der verschiedenen Nahrungsmittel und deren Zubereitung auf unseren Körper zu schaffen und einmal selbst darauf zu achten, wie man sich nach dem Essen fühlt.
Eine ausgewogene Ernährung ebenso wie eine individuelle Chinesische Ernährungstherapie kann nur dann positiv und in ihrem vollen Umfang wirken, wenn die Nahrungsmittel auch tatsächlich die Nährstoffe enthalten und die Wirkungen entfalten, die man ihnen zuschreibt. In den letzten Jahrzehnten haben sich unsere Ernährungsweise und der Zustand unserer Lebensmittel allerdings deutlich verändert.
Für viele Menschen steht heute eine schnelle, einfache Zubereitung der Mahlzeiten an erster Stelle. Daher kommen vermehrt vorverarbeitete oder gleich Fertigprodukte zum Einsatz und die Mikrowelle. Auch die Nahrungsaufnahme an sich ist schneller und nebensächlicher, unachtsamer geworden. Zudem steht eine verlockende, leicht zu beschaffende Überzahl an verarbeiteten Produkten zur Verfügung.
Früher war man auf Lebensmittel beschränkt, die zur jeweiligen Zeit im eigenen Garten wuchsen oder bei einem Landwirt in der Umgebung erhältlich waren. Heute können wir zu (fast) jedem Zeitpunkt Nahrungsmittel aus der ganzen Welt bekommen. Allerdings wissen wir nicht mehr, unter welchen Bedingungen diese Nahrungsmittel entstanden sind. Wir erhalten Produkte, die keine Möglichkeit hatten, voll auszureifen und ihre Nährstoffe und Wirkungen ganz zu entfalten. Oder Produkte von Tieren, die völlig anderen Umgebungsbedingungen ausgesetzt waren und völlig andere Nahrung erhielten als es ihrer Natur entspricht (z. B. Weiderind vs. Mastrind, Wildlachs vs. Zuchtlachs). Bereits vor 50 Jahren waren mindestens ¾ der Lebensmittel vorverarbeitet.[1] Wenn Zusatzstoffe dafür sorgen, dass Lebensmittel wochen-, monate- oder jahrelang konserviert werden, was macht das dann mit unserem Körper? Auch befinden wir uns heute im Interessenkonflikt zwischen der Frage, wie hochwertig Nahrungsmittel sein müssen und wie man möglichst viel Geld damit verdienen kann.
Am zeitlichen Zusammenhang zwischen veränderter Ernährungsweise und technischen Fortschritten in der Lebensmittelindustrie einerseits und dem Auftreten von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Diabetes andererseits, wird deutlich, dass mittlerweile eine Gesundheitsgefährdung von unserer Ernährung ausgeht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes als Todesursache sind in den Industrienationen innerhalb von 50 Jahren von 16 auf 55% angestiegen.[1]
Was kann ich tun, um mich vor stark verarbeiteten Nahrungsmitteln zu schützen?
Grundsätzlich gilt es, möglichst viele naturbelassenen Nahrungsmittel in den eigenen Ernährungsplan aufzunehmen und hochgradig verarbeitete Süß- und Konditoreiwaren sowie Fertigprodukte zu meiden. Industriell vorbehandelte Lebensmittel gänzlich abzulehnen, ist in unserer Gesellschaft kaum möglich, aber auch nicht nötig. Einheimische Produkte aus der Biolandwirtschaft zu verwenden, ist eine gute Grundlage, ebenso wie auf das Herkunftsland und die Zutatenliste zu achten. Bei der Zubereitung reduzieren z. B. eine gründliche Reinigung der Nahrungsmittel und das Wegschütten des Kochwassers die Aufnahme von unerwünschten Begleitstoffen.
Aus Sicht der Chinesischen Ernährungslehre führt die Bearbeitung von Lebensmitteln häufig zu einer qualitativen Veränderung Richtung „Wärme“, bei starker Bearbeitung sogar zu „Hitze“ und „Trockenheit“. Dies hat einen starken Einfluss auf den menschlichen Körper und kann zu krankhaften Veränderungen führen oder bereits bestehende verstärken. Eine sanfte Erwärmung von Nahrungsmitteln hingegen ist teilweise nötig oder sinnvoll, um die Bekömmlichkeit und die Entfaltung des energetischen Potentials der Nahrungsmittel zu verbessern.
Fazit
Damit eine Chinesische Ernährungstherapie sinnvoll und wirksam durchgeführt werden kann, sollten möglichst naturbelassene und hochwertige Nahrungsmittel verwendet werden. Dasselbe gilt für eine vollwertige, ausgewogene Ernährung.
[1] Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. 3. Auflage. München: Urban & Fischer; 2006. S. 605