Ein absoluter Schwerpunkt der TCM und der TCM-Ernährung ist die Individualität. Dies betrifft aber nicht nur die persönlichen Eigenschaften des Stoffwechsels und die Konstitution (genetische Anlagen und körperliche Verfassung), sondern auch äußere Einflüsse wie zum Beispiel die klimatischen Bedingungen der Jahreszeiten. Im Sommer schweben uns da Eis, kalte Getränke und Grillabende vor Augen. Warum diese nicht unbedingt zu einer sommergeeigneten Ernährung im Sinne der TCM gehören, erklärt dieser Beitrag.
Zunächst einmal geht der Sommer mit Wärme bis Hitze einher, was im Körper zu einem verstärkten Verbrauch an „Säften und Yin“ führt. Im Spätsommer dann kommt eine „Feuchtigkeits“-Belastung hinzu.
Für unsere Ernährung bedeutet das, dass wir im Sommer frische, kühle und leichte Speisen benötigen, aber keine zu kalten (Eis, eisgekühlte Getränke), denn diese Kälte führt zu Blockaden. Spannend ist es, einmal darauf zu achten, wie man sich nach dem Eisessen oder einem sehr kalten Getränk fühlt. Blähungen, Bauchschmerzen oder ein Kältegefühl im Bauch zeigen, dass diese Lebensmittel zu kalt für unsere „Mitte“ sind und sie belasten.
Sich bewusst zu machen, wie die Nahrungsmittel auf unseren Körper wirken und dies auch zu spüren, ist wichtig, denn in der TCM-Ernährung gibt es keine verbotenen Lebensmittel, nur deren spezifische Wirkung. „Sommergeeignete TCM-Ernährung“ bedeutet eben nicht, dass wir kein Eis essen dürfen, sondern dass Eis eine starke Kälte in unseren Körper bringt, die unsere „Mitte“ blockiert und zu bestimmten Beschwerden führt. Haben wir Lust auf Eis, nehmen wir die Beschwerden vielleicht in Kauf. Möchten wir die Beschwerden umgehen, verzichten wir auf das Eis oder essen nur eine kleine Portion.
Ähnliches gilt auch für Rohkost und Salate. Grundsätzlich fügen sie sich gut in die Ernährung im Sommer ein. Wenn aber nach dem Essen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen auftreten, ist die „Mitte“ nicht kräftig genug, um diese kühlen Lebensmittel zu verarbeiten. Salate können auch leicht warm genossen oder das Gemüse gedünstet oder sanft angebraten werden (Beispielrezept: Glasnudelsalat). Die Kombination aus Salat und gegrilltem oder stark gebratenem Fleisch hingegen bedeutet eine enorme Belastung für die „Mitte“, die von den beiden Temperaturextremen überfordert ist und sollte vermieden werden.
Das Wunderbare an der TCM-Ernährung ist, dass sie unglaublich gut anzupassen und mit unserem Wohlgefühl zu korrelieren ist. Genuss ist extrem wichtig beim Essen und dieser sollte unbedingt erhalten werden. Aber jede kleine Veränderung wirkt sich positiv aus und eine Ernährungsumstellung darf in kleinen Schritten erfolgen. Ist die „Mitte“ einmal gestärkt und wieder leistungsfähig, kann sie auch herausfordernde Nahrungsmittel besser verarbeiten und das gelegentliche Eis lässt sich ohne große Beschwerden genießen.
Geeignete Nahrungsmittel für den Sommer im Sinne der TCM
Die folgende Tabelle zeigt, welche Nahrungsmittel im Sommer besonders gut für unsere Ernährung geeignet sind.
| Getreide | Sojasprossen Mungbohnensprossen Frischkornzubereitungen (s. u.) |
| Gemüse (auch als Salat) | grüner Salat Rettich Spinat Tomate Gurke Chinakohl Kürbis Aubergine Karotte Kartoffel |
| Früchte | Birne Mandarine Orange Apfel Banane Ananas Feige Melone Kiwi |
| Fleisch/ Fisch | Muscheln |
| Milchprodukte | Tofu |
| Getränke | Milch grüner Tee alkoholfreies Bier |
Frischkornzubereitungen: zum Beispiel Frischkornbrei



Obwohl kühle Nahrungsmittel gut in den Ernährungsplan für den Sommer passen, hilft der warme Getreidebrei am Morgen, die „Mitte“ sanft aufzuwecken und für die Aufgaben des Tages vorzubereiten. Dem verstärkten „Säfte- und Yin“-Verbrauch kann man wunderbar mit frischem Obst entgegenwirken. Abgesehen von den Ernährungsempfehlungen gilt es im Sommer, körperliche Überanstrengung und starkes Schwitzen (Säfteverlust) zu vermeiden und tagsüber eine Ruhepause einzulegen.
Und was ist mit Grillen?
Die verschiedenen Zubereitungsformen unserer Lebensmittel können deren „thermischen“ Einfluss auf den Körper verändern. Grillen fügt den Nahrungsmitteln eine starke Hitze zu, zumal Fleischprodukte in der TCM ohnehin schon als „warm“ eingeordnet werden. In der Folge kann es zu „krankmachender Hitze“ kommen oder eine solche verstärkt werden. Ölige Marinaden belasten unsere „Mitte“ zusätzlich. Wie bereits gesagt, geht es in der TCM-Ernährung aber nicht darum, bestimmte Lebensmittel „schlecht zu machen“, sondern darum, ein Bewusstsein für die Wirkung der verschiedenen Nahrungsmittel und deren Zubereitung auf unseren Körper zu schaffen und einmal selbst darauf zu achten, wie man sich nach dem Essen fühlt.

