Eine ausgewogene Ernährung ebenso wie eine individuelle Chinesische Ernährungstherapie kann nur dann positiv und in ihrem vollen Umfang wirken, wenn die Nahrungsmittel auch tatsächlich die Nährstoffe enthalten und die Wirkungen entfalten, die man ihnen zuschreibt. In den letzten Jahrzehnten haben sich unsere Ernährungsweise und der Zustand unserer Lebensmittel allerdings deutlich verändert.
Für viele Menschen steht heute eine schnelle, einfache Zubereitung der Mahlzeiten an erster Stelle. Daher kommen vermehrt vorverarbeitete oder gleich Fertigprodukte zum Einsatz und die Mikrowelle. Auch die Nahrungsaufnahme an sich ist schneller und nebensächlicher, unachtsamer geworden. Zudem steht eine verlockende, leicht zu beschaffende Überzahl an verarbeiteten Produkten zur Verfügung.
Früher war man auf Lebensmittel beschränkt, die zur jeweiligen Zeit im eigenen Garten wuchsen oder bei einem Landwirt in der Umgebung erhältlich waren. Heute können wir zu (fast) jedem Zeitpunkt Nahrungsmittel aus der ganzen Welt bekommen. Allerdings wissen wir nicht mehr, unter welchen Bedingungen diese Nahrungsmittel entstanden sind. Wir erhalten Produkte, die keine Möglichkeit hatten, voll auszureifen und ihre Nährstoffe und Wirkungen ganz zu entfalten. Oder Produkte von Tieren, die völlig anderen Umgebungsbedingungen ausgesetzt waren und völlig andere Nahrung erhielten als es ihrer Natur entspricht (z. B. Weiderind vs. Mastrind, Wildlachs vs. Zuchtlachs). Bereits vor 50 Jahren waren mindestens ¾ der Lebensmittel vorverarbeitet.[1] Wenn Zusatzstoffe dafür sorgen, dass Lebensmittel wochen-, monate- oder jahrelang konserviert werden, was macht das dann mit unserem Körper? Auch befinden wir uns heute im Interessenkonflikt zwischen der Frage, wie hochwertig Nahrungsmittel sein müssen und wie man möglichst viel Geld damit verdienen kann.
Am zeitlichen Zusammenhang zwischen veränderter Ernährungsweise und technischen Fortschritten in der Lebensmittelindustrie einerseits und dem Auftreten von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Diabetes andererseits, wird deutlich, dass mittlerweile eine Gesundheitsgefährdung von unserer Ernährung ausgeht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes als Todesursache sind in den Industrienationen innerhalb von 50 Jahren von 16 auf 55% angestiegen.[1]
Was kann ich tun, um mich vor stark verarbeiteten Nahrungsmitteln zu schützen?
Grundsätzlich gilt es, möglichst viele naturbelassenen Nahrungsmittel in den eigenen Ernährungsplan aufzunehmen und hochgradig verarbeitete Süß- und Konditoreiwaren sowie Fertigprodukte zu meiden. Industriell vorbehandelte Lebensmittel gänzlich abzulehnen, ist in unserer Gesellschaft kaum möglich, aber auch nicht nötig. Einheimische Produkte aus der Biolandwirtschaft zu verwenden, ist eine gute Grundlage, ebenso wie auf das Herkunftsland und die Zutatenliste zu achten. Bei der Zubereitung reduzieren z. B. eine gründliche Reinigung der Nahrungsmittel und das Wegschütten des Kochwassers die Aufnahme von unerwünschten Begleitstoffen.
Aus Sicht der Chinesischen Ernährungslehre führt die Bearbeitung von Lebensmitteln häufig zu einer qualitativen Veränderung Richtung „Wärme“, bei starker Bearbeitung sogar zu „Hitze“ und „Trockenheit“. Dies hat einen starken Einfluss auf den menschlichen Körper und kann zu krankhaften Veränderungen führen oder bereits bestehende verstärken. Eine sanfte Erwärmung von Nahrungsmitteln hingegen ist teilweise nötig oder sinnvoll, um die Bekömmlichkeit und die Entfaltung des energetischen Potentials der Nahrungsmittel zu verbessern.
Fazit
Damit eine Chinesische Ernährungstherapie sinnvoll und wirksam durchgeführt werden kann, sollten möglichst naturbelassene und hochwertige Nahrungsmittel verwendet werden. Dasselbe gilt für eine vollwertige, ausgewogene Ernährung.
[1] Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. 3. Auflage. München: Urban & Fischer; 2006. S. 605

