Kategorie: Lebenspflege

  • Was ist Essen?

    Was ist Essen?

    Essen ist in erster Linie eine Lebensnotwendigkeit, denn wir sind auf die Energiezufuhr in Form von Nahrung angewiesen.

    Aber Essen ist so viel mehr als das.

    Essen ist Nahrung für Körper und Seele. Unsere Ernährung hat einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit, sie beeinflusst aber auch unsere Psyche ganz entscheidend.

    Auf körperlicher Ebene bedeutet Essen, unserem Organismus die Nährstoffe zuzufügen, die er benötigt, gleichzeitig aber auch, ihn vor Schädigungen zu schützen. Denn Essen hat zwei Seiten und stellt uns vor die Herausforderung, einen gesunden Mittelweg zu finden. Dabei ist es enorm schwierig, für uns, die unterbewusst noch von vielen „urzeitlichen Überlebensmechanismen“ gesteuert werden, dem Überangebot an Essbarem und der Manipulation durch die Lebensmittelindustrie zu widerstehen. Und so kann Essen auch krankmachen: Übergewicht, Diabetes, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Herz- und Gefäßerkrankungen.

    Im Gegenzug kann die Ernährung uns aber auch dabei unterstützen, gesund zu bleiben oder Krankheiten zu behandeln, insbesondere wenn sie, wie in der TCM, als Teil der Medizin angesehen wird.

    Ganz wichtig dabei ist, dass der Genuss am Essen nicht verloren geht, denn uns stehen eine unglaubliche Vielfalt an hochwertigen Lebensmitteln, unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Zubereitungsformen zur Verfügung. So öffnet Essen auch ein Stück weit die Welt für uns, wenn wir die internationale Küche ausprobieren. Zugleich verbindet uns Essen aber auch mit unserer eigenen Kultur und Tradition, wenn wir an die heimische Küche oder die Rezepte unserer Großmütter denken.

    Mekan_4 (Pixabay)
    Ralph_Germany (Pixabay)

    Essen verbindet und macht einen Teil unseres sozialen Lebens aus, sei es beim Familienessen, beim Essen mit Freunden, beim Essengehen oder bei verschiedenen Festen. Und auch darüber hinaus, denn im Internet existieren neben Rezeptsammlungen unzählige Foren zum Thema Essen.

    Essen kann Freude und Leidenschaft sein, aber auch heraus- und manchmal überfordernd, wenn man an den Zeitaufwand für Planung, Einkauf und Zubereitung denkt. Eine Herausforderung stellt auch die mediale und soziale Überflutung durch die enorme Vielfalt an Rezepten, Ernährungsweisen, Empfehlungen, Meinungen und Trends dar.

    Essen kann Trost und Belohnung, aber auch eine Qual sein. Eine kleinere Qual, wenn Essen einen Teil der Selbstoptimierung ausmacht und zur Orthorexie (übermäßige Beschäftigung mit der Ernährung aufgrund selbst auferlegter Regeln) geführt hat, eine große Qual für alle, die von einer Essstörung betroffen sind.

    In diesem Fall dominiert das Essen das komplette Leben der Betroffenen und kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Es kann in diesem Zusammenhang mit Kontrollzwang oder Kontrollverlust verbunden sein, mit Scham und Schuldgefühlen.

    Abgesehen von den persönlichen Auswirkungen stellt Essen die Lebensgrundlage vieler Menschen dar, von Erntearbeitern und Landwirten, über die Lebensmittelindustrie und den Transport bis zum Verkauf, aber auch für Köche, Restaurantbetreiber und Ernährungsberater.

    Die Lebensmittel haben in der Vergangenheit einen unglaublichen Verarbeitungsprozess von natürlichen Rohstoffen hin zu massiv verarbeiteten, künstlichen Produkten erfahren (Zusätze, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, Nahrungsergänzungsmittel, vegane Produkte).

    Essen nimmt also einen ganz großen Teil unseres Lebens und unserer Gesundheit ein. Lebenspflege bedeutet vor diesem Hintergrund, seinen Körper nur mit den allerbesten Nahrungsmitteln zu versorgen und eine Ernährung zu finden, die genau unseren individuellen Bedürfnissen entspricht. Dabei bietet TCM-Ernährung eine gute Unterstützung.

    J. Ruby
  • Lebenspflege: Schlaf

    Lebenspflege: Schlaf

    Schlaf stellt ein absolutes Grundbedürfnis für uns Menschen dar und nimmt daher auch eine sehr wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Lebenspflege ein. In einem Werk aus dem 4. Jh. v. Chr. heißt es: „(…), aber an allererster Stelle steht der Schlaf. (Shiwen, 4) (Engelhardt, 2010)

    Wir Menschen benötigen ausreichend Schlaf, um unsere körperliche und geistige Gesundheit zu bewahren (Baranwal et al., 2023). Eine schlechte Schlafqualität führt zu einer erhöhten Morbidität (Banks & Dinges, 2007) und verschlechtert unsere gesundheitliche und psychische Verfassung. Grund genug, sich eingehend damit zu befassen, wie wir uns einen guten Schlaf ermöglichen können.

    Worauf genau es bei einem gesunden Schlafverhalten ankommt, fasste bereits der chinesische Daoist Ge Hong (283-343) zusammen. So sei es schädlich, beim Schlafen und Ruhen den rechten Zeitpunkt zu versäumen, mit vollem Magen zu schlafen, spät aufzustehen, zu viel zu schlafen, unter freiem Himmel zu schlafen und beim Schlafen die Schultern unbedeckt zu lassen. (Baopuzi, Kap. 13) (Engelhardt, 2010)

    Das Wichtigste für uns ist nun, was wir aus der traditionellen chinesischen Lebenspflege für unseren modernen Alltag mitnehmen können und dabei auch die Erkenntnisse der aktuellen Wissenschaft mit zu berücksichtigen.

    Aus Sicht der TCM bestimmt das Verhältnis von Yin und Yang das Einschlafen und Aufwachen: „Wenn das Yang-Qi erschöpft ist und das Yin-Qi üppig, dann schläft man ein, ist das Yin-Qi erschöpft und das Yang-Qi üppig, so erwacht man.“ (Huangdi neijing Lingshu 28/2) (Engelhardt, 2010)

    Um also gut einschlafen zu können, müssen wir darauf achten, unser Yang-Qi (unsere aktive Lebensenergie) am Abend abzusenken. Ähnliche Empfehlungen gehen auch aus der modernen Wissenschaft hervor. So wirken sich ruhige Aktivitäten am Abend wie Baden, Musik hören und Lesen positiv auf unseren Schlaf aus (De Pasquale et al., 2024), unruhige, geistig oder körperlich anstrengende Aktivitäten hingegen sollten vermieden werden (De Pasquale et al., 2024),(Spiegelhalder, 2025).

    Neben der Abendgestaltung stellen die Schlafumgebung, Schlafdauer und Schlafenszeiten, die Ernährung und die allgemeine Lebensgestaltung die größten Einflussfaktoren auf unseren Schlaf dar.

    In meinem Mini-E-Book „Lebenspflege: Schlaf“ habe ich kompakt, übersichtlich und praxisorientiert zusammengestellt,

    • welche Bedeutung Schlaf in der traditionell chinesischen Lebenspflege hatte,
    • was wir davon in unseren heutigen Alltag mitnehmen können,
    • welche Faktoren aus wissenschaftlicher Sicht unseren Schlaf beeinflussen,
    • was wir konkret und Schritt für Schritt tun können, um unseren Schlaf zu verbessern.

    Darüber hinaus gibt es eine Checkliste, um für sich selbst die Faktoren zu überprüfen, die den Schlaf beeinflussen, und ein Einschlafritual aus dem Qigong.

    Das Mini-E-Book ist in meinem Shop erhältlich:

    In Zukunft werde ich dort auch weitere E-Books zu Themen der Lebenspflege, TCM und Ernährung anbieten.

    cdd20 (Pixabay)

    Quellen:

    Banks, S., & Dinges, D. F. (2007). Behavioral and Physiological Consequences of Sleep Restriction. Journal of Clinical Sleep Medicine, 3(5), 519–528.

    Baranwal, N., Yu, P. K., & Siegel, N. S. (2023). Sleep physiology, pathophysiology, and sleep hygiene. Progress in Cardiovascular Diseases, 77, 59–69.

    De Pasquale, C., El Kazzi, M., Sutherland, K., Shriane, A. E., Vincent, G. E., Cistulli, P. A., & Bin, Y. S. (2024). Sleep hygiene – What do we mean? A bibliographic review. In Sleep Medicine Reviews (Vol. 75, p. 101930). W.B. Saunders Ltd.

    Engelhardt, U. (2010). Schlaf und Traum in der chinesischen Lebenspflege. Chin Med, (25), 223–237.

    Spiegelhalder, K. (2025). Leitlinie “Insomnie bei Erwachsenen.”

  • Lebenspflege im Herbst

    Lebenspflege im Herbst

    Nachdem die Natur im Sommer ihre vollen Kräfte entfaltet hat, beginnt mit dem Herbst der allmähliche Rückzug. Kräfte werden gesammelt und über den Winter bewahrt. Das Leben im Einklang mit den natürlichen Rhythmen wie den Jahreszeiten spielt in der traditionellen chinesischen Lebenspflege (yangsheng) eine große Rolle. So empfiehlt es sich auch für uns Menschen, uns im Herbst wieder zurückzuziehen und unsere Energie zu sammeln.

    Dem Herbst ist in der TCM der Funktionskreis „Lunge“ zugeordnet, der nun besondere Berücksichtigung findet und insbesondere in seinem „Yin-Anteil“ gestützt werden will, denn im Herbst stellt uns die Trockenheit vor besondere Herausforderungen (z. B. trockene Haut).

    Zur Unterstützung des „Lungen-Yin“ eignen sich in der Ernährung vor allem Nüsse und Samenkerne, aber auch bestimmte Gemüse- und Obstsorten sowie Milchprodukte (s. Tabelle).

    Nüsse & SamenfrüchteErdnuss, Sesam, Pinienkerne, Mandeln, Sonnenblumenkerne
    GemüseKürbis, Chinakohl, Aubergine, Champignon, Bambussprossen, Karotte
    Obstvor allem Birne (vorzugsweise als Kompott), des Weiteren Aprikose, Feige, Mandarine
    MilchprodukteMilch, Joghurt, Quark, Kefir, Frischkäse
    Lebensmittel, die das (Lungen-)Yin stützen

    Um im Rahmen der „Yin-Stützung“ der Entstehung von „Feuchtigkeit“ und „Schleim“ vorzubeugen, gilt es, stets auf eine ausreichende Erwärmung der Lebensmittel zu achten und bei einer bestehenden „Mitten-Schwäche“ Milchprodukte nur in geringen Mengen zu verzehren.

    Neben dem Funktionskreis „Lunge“ kommt wie immer auch dem Funktionskreis „Mitte“ als Zentrum unserer Ernährung besondere Aufmerksamkeit zu. Warme Mahlzeiten, allen voran ein warmer Getreidebrei zum Frühstück bilden hier eine gute Basis.

    Abgesehen von der Ernährung empfehlen sich für die Lebenspflege im Herbst eine mäßige körperliche Bewegung und mehr Schlaf, wie es schon im „Klassiker des Gelben Fürsten“ zu lesen ist: „Im Herbst gehe man früh schlafen und stehe früh auf.“  (Huangdi neijing Suwen 2/1 (Engelhardt, 2010))

    Nicht nur die körperlichen Energien sollen allmählich zur Ruhe kommen und sich sammeln, sondern auch die geistigen. Bewahrt man Ruhe und lässt seine Gedanken nicht zu stark nach außen schweifen (Han, 2021), stimmt man sich wunderbar auf einen gemütlichen Herbst ein.

    Illustration einer Frau in herbstlicher Kleidung und Umgebung mit einer dampfenden Tasse in der Hand: Lebenspflege im Herbst.
    haninabz (Pixabay)

    Quellen:

    Engelhardt, U. (2010). Schlaf und Traum in der chinesischen Lebenspflege. Chin Med, (25), 223–237.

    Han, C. (2021). Tuina und Lebenspflege für ältere Menschen – nach Jahreszeiten und Lebensphasen. Chin Med, 36(3), 154–160.

  • Was ist Lebenspflege?

    Was ist Lebenspflege?

    Der Begriff „Lebenspflege“ (yangsheng) scheint sich tatsächlich rein auf den traditionell chinesischen Bereich zu beziehen. Im „Westen“ wird er eher im Zusammenhang mit Alten- oder Palliativpflege gebraucht.

    Unter „Lebenspflege“ versteht man in der TCM verschiedene Techniken, die zu einem langen Leben in Gesundheit führen sollen.

    Lebenspflege – ein langes Leben in Gesundheit und Wohlbefinden führen

    Die Techniken können körperlicher, geistiger und ethischer Natur sein und sich auf alle Aspekte des Lebens beziehen wie den Körper, die Persönlichkeit oder das Alter(Engelhardt, 2026). Lebenspflege ist auch ganzheitliche Prävention.

    Lebenspflege ist nicht mit „Wellness“ gleichzusetzen, denn sie ist etwas, das aktiv von uns Menschen praktiziert werden muss und beschränkt sich nicht auf wohltuende Anwendungen wie Massagen und Bäder(Laoshan Zentrum, 2026).

    Im Mittelpunkt der Lebenspflege steht das Bewahren, vor allem das Bewahren der Lebenskräfte. Damit stellt sie ein Gegenkonzept zu unserem westlichen, „auszehrenden“ Lebensstil dar.

    Unser moderner, „westlicher“ Lebensstil

    Spätestens seit der Industrialisierung ist unsere Gesellschaft auf Produktivität und Leistung ausgerichtet. Zudem erleben wir eine rasante technologische Entwicklung, die wir eigentlich gar nicht erfassen können. Die Folgen davon sind Stress, Missachtung der eigenen Grenzen, Gebrauch und Missbrauch von Stimulanzien und Burnout.

    In der chinesischen Vorstellung wird das Leben oft mit einer brennenden Kerze (Flamme als Analogie zu den Lebenskräften, Kerzenwachs als Analogie zur körperlichen Substanz) verglichen. Mit etwa 40 Jahren ist diese Kerze zur Hälfte abgebrannt(Engelhardt, 2026). Das Problem an unserem Lebensstil ist, dass wir die Flamme zusätzlich anheizen und somit die Kerze schneller niederbrennt.

    Zwei Hände halten achtsam eine brennende Kerze als Symbol für das Leben. Lebenspflege
    myriams fotos (Pixabay)

    Kerngedanken der chinesischen Lebenspflege

    In der chinesischen Lebenspflege wird die Verbindung zwischen Lebensführung und Gesundheit betont. Gesundheit ist nichts, was uns einfach gegeben ist, sondern wir müssen aktiv für einen ständigen Ausgleich sorgen, insbesondere bei Krankheiten und im Alter. Daher spielt auch die Prävention eine große Rolle.

    Der Mensch sollte sich, um gesund und ausgeglichen zu bleiben, nach den natürlichen Rhythmen der Natur richten (Jahreszeiten, Tageszeiten)(Engelhardt, 2026). Dagegen steht unsere moderne Lebensweise, in der junge Leute Nächte „durchfeiern“ oder „durcharbeiten“. Damit möchte ich nicht bewerten, denn ich habe sehr gerne Nächte durchgetanzt, ich möchte nur darauf hinweisen, dass diese Art zu leben, unsere Ressourcen schneller verbraucht.

    Eine Baum im Wechsel der Jahreszeiten: Lebenspflege im Einklang mit den Rhythmen der Natur
    Open Clipart-Vectors

    Ein weiterer Faktor für ein gesundes Leben, dem in den traditionellen chinesischen Schriften eine große Bedeutung zukommt, ist das Maßhalten(Engelhardt, 2026), das Vermeiden von Extremen. Diesen Ansatz findet man auch ganz deutlich in der chinesischen Ernährungslehre wieder, in der „neutrale“, ausgewogene Lebensmittel bevorzugt werden und Extreme wie „heiß“ und „kalt“, sehr scharf, sehr süß oder sehr viel vermieden werden.

    In unserer Gesellschaft hingegen, gilt es als erstrebenswert, Extreme zu erleben und Übermaß zu produzieren (All you can eat, XXL-Angebote).

    Übergewichtiger Mann sitzt vor einem Berg Hähnchenkeulen - Bild zu heutiger Ernährung #TCM-Ernährungsberatung #TCM-Ernährungstherapie #TCM-Praxis Ruby
    Frank Rietsch (Pixabay)

    Damit gehen auch die ständigen Verlockungen, Reize und Ablenkungen einher, die auf uns einwirken und uns oft genug völlig überfordern. Die chinesische Lebenspflege strebt geistige Ruhe an und empfiehlt starke Emotionen und Begierden zu vermeiden(Engelhardt, 2026). Das bedeutet nicht, dass Emotionen etwas Negatives sind und verdrängt werden sollen. Ein guter Ansatz ist es, seine Emotionen bewusst zu erleben und zu verarbeiten und sich nicht von ihnen mitreißen zu lassen. Im Umgang mit Reizen gilt es, sich diesen begrenzt auszusetzen und seinen Blick verstärkt nach innen zu richten.

    Und noch einmal zurück zum Bewahren. Hier kommen dem Schlaf und der körperlichen Bewegung (z. B. Qigong) eine besondere Rolle zu, um die Körperkräfte und die Lebensenergie langfristig zu erhalten.

    Schlafender Panda: enorme Bedeutung des Schlafes in der Lebenspflege
    cimberley (Pixabay)

    Praktische Umsetzung der Lebenspflege

    Eine große Herausforderung ist es, nun die traditionellen Weisheiten aus einer völlig anderen Kultur erfolgreich in unsere moderne, westliche Gesellschaft zu „übersetzen“ sowie alltags- und praxistauglich zu machen. Das habe ich mir als Aufgabe gestellt.

    Quellen:

    Engelhardt, U. (2026). Lebensführung in der chinesischen Medizin. Offene Schule der SMS.

    Laoshan Zentrum. (2026, August 26). Lebenspflege. https://www.Lebenspflege.de/Lebenspflege.