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Chinesische Ernährungs-therapie

Piktogramm zur chinesischen Ernährungsberatung

Eine weitere Behandlungsmethode der TCM stellt die Chinesische Diätetik oder Ernährungstherapie dar. Lebensmittel werden in China seit jeher als milde Arzneimittel angesehen. Der berühmte chinesische Arzt Sun Simo (um 650) formulierte es so: „Erst wenn die Ernährungstherapie keine Heilung bringt, sind Arzneimittel einzusetzen.“[1]

Ebenso wie die Chinesischen Heilkräuter werden Nahrungsmittel in der TCM nach bestimmten Kriterien, unter anderem den Wirkungen auf den menschlichen Körper, beschrieben. Dementsprechend basiert die TCM-Ernährungstherapie auf einer individuellen, Chinesischen Diagnose, die anhand einer ausführlichen Anamnese sowie Zungen- und Pulsdiagnostik gestellt wird.

Der gezielte Einsatz von Nahrungsmitteln im Rahmen der Chinesischen Ernährungstherapie kann die Ausgewogenheit im Körper wiederherstellen, sie ermöglicht eine gleichmäßige und sanfte Stützung des gesamten menschlichen Organismus. Darüber hinaus lindert sie eine Vielzahl von Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen wie Schmerzen, Verdauungs- oder Schlafstörungen und unterstützt die Behandlung verschiedenster Erkrankungen von Migräne über Menstruationsstörungen bis zu Akne. Sie wird aber nicht nur kurativ, sondern auch zur Gesunderhaltung und Prävention angewendet.

Erkrankungen, die mit Chinesischer Ernährungstherapie behandelt werden können
  • Schmerzen (Bewegungsapparat, Rheuma, Kopfschmerzen/ Migräne)
  • Erkrankungen des Nervensystems (Schlafstörungen, Nervosität, Müdigkeit, Erschöpfung, Energiemangel, allgemeine Schwäche, übermäßiges Schwitzen/ Nachtschweiß)
  • Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs (Bluthochdruck)
  • Erkrankungen der Sinnesorgane (Schwindel, verschlechterte Sicht, Glaukom, Katarakt)
  • Urologische Erkrankungen (Harnwegserkrankungen, Miktionsstörungen, Konkremente, Inkontinenz, Enuresis, Impotenz)
  • Gynäkologische Erkrankungen (Menstruationsstörungen, Ausfluss, Unterstützung der Schwangerschaft)
  • Hauterkrankungen (Akne, Neurodermitis, trockene Haut)
  • Atemwegserkrankungen, Infekte (Erkältung, Husten, Nasenbluten)
  • Erkrankungen des Stoffwechsels, der Leber und der Gallenblase (Ödeme, Adipositas, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen)
  • Erkrankungen der Mundhöhle, des Magens und des Darms (Mundgeschwüre, Mundtrockenheit, Übelkeit, Schluckauf, Erbrechen, Inappetenz, Magenschmerzen, Magengeschwüre, Verdauungsblockaden, Verdauungsstörungen, Obstipation, Durchfall, Wurmbefall, Hämorrhoiden)

Entwicklung der Chinesischen Ernährungstherapie

In der TCM gilt der Leitsatz: „Medizin und Ernährung haben denselben Ursprung.“ Schon von frühester Zeit an waren sich die Menschen in China sehr deutlich bewusst, welche Auswirkungen die Nahrung auf den menschlichen Körper hat und wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für das allgemeine Wohlbefinden ist. Eine eigenständige „Ernährungstherapie“ hat sich in China während der Tang-Zeit (618-907) entwickelt.[2]

Wie unterscheidet sich die Chinesische Ernährungstherapie von der westlichen Ernährungstherapie?

Die westliche Ernährungstherapie basiert auf quantitativen Zusammenhängen, sie stellt die in den Lebensmittel enthaltenen Nährstoffe in den Vordergrund. Die Chinesische Ernährungstherapie hingegen ist qualitativ ausgerichtet, sie beschreibt die Wirkungen der Nahrungsmittel auf den menschlichen Organismus.

Chin. Ernährungstherapiewestl. Ernährungstherapie
Gesundheit ist ein aktiver Prozess, der der Pflege der Lebenskräfte dient.
-> chinesisches Konzept der Lebenspflege

Lebensmittel gelten als milde Arzneimittel.
Gesundheit bedeutet das Fehlen pathologischer Störungen.

Diätetik entspricht der Zufuhr von Nährstoffen zur Lebenserhaltung des Organismus.
Ernährung kann individuell und nach den Vorlieben der Patienten gestaltet werden.

Es gibt keine Stigmatisierung bestimmter Lebensmittel (Alkohol, Zucker, Kaffee).

Westliche Befunde können problemlos integriert werden.
Durch genaue Analysen können Nährstoffdefizite vermieden werden.

Es gibt gezielte Strategien zur Therapie schwerer Stoffwechselstörungen wie Diabetes.
Die Wirksamkeit bei schweren Stoffwechselstörungen ist beschränkt.

Es gibt wenig Wirkungsbeschreibungen für westliche Lebensmittel.
Für unspezifische Beschwerden gibt es wenig Behandlungsmöglichkeiten.

Es herrscht eine starke Standardisierung und Dogmatik („verbotene Lebensmittel“) vor.
basierend auf: Engelhardt U. Chinesische Diätetik. Master-Studiengang TCM an der TUM. S. 6.

Wie läuft eine Chinesische Ernährungstherapie konkret ab?

Zunächst einmal erfolgt wie immer in der TCM eine ausführliche, ganzheitliche Anamnese, die zusammen mit der Zungen- und Pulsdiagnostik zu einer Chinesischen Diagnose führt. Auf dieser Grundlage erstellt die TCM-Ärztin/ der TCM-Arzt individuelle Ernährungsempfehlungen für die Patienten (z. B. geeignete/ eher ungeeignete Nahrungsmittel, Beispielrezepte). Eine sinnvolle Ergänzung ist das Führen eines einwöchigen Ernährungstagebuchs, das von der TCM-Ärztin/ dem TCM-Arzt analysiert wird. Gemeinsam kann dann erarbeitet werden, wie die Chinesische Ernährungstherapie im Alltag umgesetzt werden kann.


[1] Qianjin fang, Kap. 26, 1992:464, Unschuld 1986:209


[2] Engelhardt U, Hempen CH. Chinesische Diätetik. 3. Auflage. München: Urban & Fischer; 2006. S. 1.